Presse-Echo: „Die Zeit“ schreibt…

Gestern war im Feuilleton einer altehrwürdigen Zeitung zu lesen:

Trash mit Dividende

Megalomanie ist ein verbreitetes Krankheitsbild unter Popmusikanten, nicht jeden allerdings plagt eine so interessante Ausprägung wie Robert Drakogiannakis. Der Kölner Musiker hat seine ehemals dreiköpfige Band Angelika Express in eine Ich-AG verwandelt, um sich auf Goldener Trash mit allem und allen zu beschäftigen – außer sich selbst. Drakogiannakis ist kein Mann des Zweifels. Wo die Konkurrenz ums eigene Befinden kreist, festigt er seinen Status als selbstbewusstester Rockschlaumeier Deutschlands, indem er kräftigst austeilt. Alle kriegen sie ihr Fett weg: Möchtegernintellektuelle und Mode designer, notorische Trinker ebenso wie ewige Nörgler – nicht einmal der Rock ’- n’ Roll selbst, dem er mit rüden Gitarrenriffs und rebellischem Gestus huldigt, bleibt verschont. Mit dem Song Copyright Killer verhöhnt der Sänger, Songschreiber, Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger in Personalunion nicht zuletzt die böse Musikindustrie. Die wird mit einem alternativen Geschäftsmodel lunter Druck gesetzt: Goldener Trash haben sogenannte Angelika-Aktionäre finanziert. Mehr als 200 Unterstützer ermöglichten dem Musiker, vier Monate lang jede Woche einen neuen Song auf seiner Web site zu veröffentlichen. Das fertige Album, dessen Einnahmen zu 80 Prozent an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen, versammelt eine Auswahl der Ergebnisse dieses Versuchs, der ökonomischen Krise der Musikindustrie zu begegnen. Damit steht Drakogiannakis’ Angelika Express vielleicht nicht für die Rettung des Rock ’n ’Roll, aber für ein popgeschichtliches Novum: Erstmals wurde Egomanie erfolgreich kollektiviert. THOMAS WINKLER

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