Neulich in der TAZ…


…wurde in der Rubrik Sonntagsstreit ein Text von mir zum Thema „Braucht Kultur Industrie?“ veröffentlicht. Da der Name Angelika Express seit jeher für aufrechtes Querulantentum steht, habe ich selbstverständlich mit „Nein“ votiert. Leider gibt es den Text nicht in kompletter Form online, darum erlaube ich mir, ihn hiermit der Allgemeinheit zugänglich zu machen (Siehe unten).

Ach ja: Die „Financial Times Deuschland“ bezieht sich in einem „Selbst ist die Band“ titelnden Artikel recht ausführlich auf Angelika Express. Der sauber recherchierende Journalist hatte mich übrigens telefonisch stundenlang nach Informationen zu dem Thema ausgequetscht, ich war hinterher ganz heiser. Respekt, ich liebe gründliche Arbeit!

Hier also der TAZ-Text:

Der Moloch Musikindustrie hat sich durch Trägheit selbst in die Knie gezwungen, was den alten Punk in mir in Entzücken versetzt. Die Aufmerksamkeitsmaschinen der Unterhaltungsindustrie laufen immer öfter ins Leere, wunderbar. Teile des Publikums emanzipieren sich von den Filtersystemen des Mainstream und tasten ständig immer vielfältigere Nischen auf geilen Input ab. Die Musikkonserve als Massenprodukt ist entwertet, Karten werden neu gemischt, unabhängig arbeitende Künstler haben plötzlich fette Asse im Ärmel. Wer subkulturell agieren will, kann sein Publikum nun unmittelbarer erreichen, ohne den inhaltlichen und ökonomischen Schwund, den die Bürokratie alter Label-Hierarchien gerne verursacht. Macht bloß viel Arbeit: Weil es kinderleicht geworden ist, aus den Schlafzimmern heraus Selbstproduziertes in alle Welt zu funken, wird das Erregen von Aufmerksamkeit immer kritischer. Wer Musik als Profession begreift, muss sich also erstmal aus einer unfassbar anschwellenden Sintflut von Mittelmäßigkeit hervorheben, um seine Relevanz unter Beweis stellen zu können. Jenen, die den Spagat zwischen erstklassiger Kreation und virtuoser Selbstvermarktung am besten hinkriegen, stehen die Tore offen. Bewohner des Elfenbeinturms sehen jedoch harten Zeiten entgegen, da bald niemand mehr da ist um ihnen zu helfen. Allerdings waren die Zeiten schon immer verdammt hart, was das angeht.

Paul muss sterben

Ich selber bin ja strikter Fußballverweigerer. Trotzdem fühle ich natürlich mit jenen mit, die sich gestern tränenreich vom zum Greifen nahe gewänten Siegestaumel verabschieden mussten.

Darum heute gewissermaßen zum kanalisieren angestauter Aggression sowie als kleines Trostpflaster das schon etwas ältere aber immer noch beliebte Angelika-Lied Paul muss sterben als freier Download.

Kross gegrillter Octopus ist übrigens meine absolute Leibspeise (zum Verdruss meiner vegetarisch lebenden Froinde).

Aus unserem selbstbetitelten Debutalbum anno 2003. Gibt’s bei uns direkt, bei iTunes und bei Amazon.


Paul muss sterben – lyrics

auf die knie idiot
irgendwie kriegen wir dich tot
dabei biste schon kaputt
auf der straße nenn se dich
das gesicht und widerlich
und deine freundin biste selbst

ganz allein, traurig sein
und alle singen

paul muss sterben
paul muss sterben
paul muss sterben
damit wir leben können

hättste noch familie
ne oma und n onkel und n tier
und ne arbeit willst du auch

dann hock dich hin
und halt den rand
bist ja viel zu angespannt
die ganze freizeit nur geraucht

ganz allein, das letzte sein
und alle singen

paul muss sterben
paul muss sterben
paul muss sterben
damit wir leben können

eine frage der zeit
bis wir dich kriegen
eine frage der mehrheit
bis wir dich verbiegen
eine frage des alters
bis du erkannt hast

ganz allein, traurig sein
ganz allein, das arschloch sein
und alle singen

paul muss sterben
paul muss sterben
paul muss sterben
paul muss sterben
paul muss sterben (sterben)
paul muss sterben (sterben)
damit wir leben können